Corona – Proteste in Steele?

Die rechtsextreme Bürgerwehr „Steeler Jungs“ plant am kommenden Montag, 18. Mai 2020 wieder eine Demonstration in Essen Steele. Sie wollen ihren Aufmarsch unter das Motto „Schütze dein Grundgesetz“ stellen und wenden sich gegen „Verbote und Einschränkungen“, konkret „gegen Zwangsimpfung“ und „gegen Bargeldabschaffung“. Damit versuchen sie, an die Corona – Demos anzuknüpfen, die seit einigen Wochen bundesweit stattfinden. Welche kruden Verschwörungsphantasien sie mit Zwangsimpfungen und Bargeldabschaffungen verbinden, bleibt eine offene Frage.

Dass eine Gruppe, die mit prominenten Neonazis unterwegs sind und deren Mitglieder mit Hitlergrüßen und Hakenkreuzen auffielen, ausgerechnet jetzt das Grundgesetz schützen wollen, erstaunt uns. Wir halten es für gefährlich, wenn die vom Verfassungsschutz beobachteten „Steeler Jungs“ jetzt an die Verunsicherungen und Ängste der Bürgerinnen und Bürger anknüpfen wollen. Wir haben es in Deutschland gerade geschafft, mit vielen Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben die Ausbreitung der Corona Pandemie einzudämmen. Wir halten es für unverantwortlich, wenn ausgerechnet jetzt, wo erste Lockerungen in Kraft treten, eine rechtsextreme Gruppierung mit Verschwörungsphantasien und Versammlungen eine Atmosphäre der Angst und Aggression im Stadtteil schürt. Wir stehen für ein verantwortungsvolles Miteinander, in dem auch gefährdete Menschen und Angehörige von Risikogruppen gut leben.

Wir wollen, dass Stelle bunt und gesund bleibt.

#buntundgesund

Wir wollen gesund bleiben und unsere Mitmenschen schützen. Daher beachten wir die Abstandsregeln und tragen Masken.
Wir wollen, dass Steele bunt, multikulturell und offen bleibt. Das gilt auch in Krisenzeiten.

Bleibt bunt und gesund!

Polizeieinsatz auf dem Grendplatz

Foto: Archiv

Polizeieinsatz gegen „Steeler Jungs“
Die Kontaktbeschränkungen, welche die Corona-Pandemie eindämmen sollen, werden von den Mitgliedern der „Steeler Jungs“ offenbar nicht ernst genommen. Mehrere Polizeiwagen kamen am Donnerstag, 16.04.2020 zum Grendplatz um eine Treffen der rechtsextremen Bürgerwehr aufzulösen und die Personalien der Anwesenden aufzunehmen. Obwohl die Einschränkungen im öffentlichen Raum seit Wochen bekannt sind, trafen sich mindestens zehn Männer mit den „First-Class-Crew“ T-Shirts, hielten nicht den Mindestabstand ein und mussten erst von den Einsatzkräften dazu bewegt werden, ihr Treffen auf dem Grendplatz zu beenden. Wir finden es bedauerlich, dass selbst die einfachsten Regeln zum Schutz der Gesundheit derart missachtet werden. Gerade in diesen Zeiten sollte Solidarität und Zusammenhalt im Mittelpunkt stehen. Doch erst vor wenigen Tagen verteilten die Mitglieder der „Steeler Jungs“ einen mehrseitigen Handzettel, in dem Bürgerbündnisse wie Steele bleibt bunt oder Essen stellt sich quer als „kranker, radikaler Abschaum“ beschimpft wird. Auch dieser Handzettel liegt der Polizei vor.

(Foto: Archiv)

Rettet sie!

In der Zeit der Corona-Krise machen wir uns nicht nur Sorgen um uns, sondern sehen auch die Menschen, die gerade unter menschenunwürdigen Bedingungen in den griechischen Flüchtlingslagern festsitzen. Allein auf Lesbos leben seit Monaten über 20.000 Menschen im Lager Moria, das nur für 3.000 Menschen eingerichtet ist. Wenn dort die ersten Corona – Fälle auftreten, haben die Menschen keine Chance. Abstand halten und Hände waschen ist nicht möglich in einem Lager, in dem es an ausreichender Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung mangelt.

Die Organisation „Mission Lifeline“ hat bereits mit Spendengeldern eine Luftbrücke zwischen Lesbos und Deutschland vorbereitet. Es fehlt jedoch die Genehmigung der Bundesbehörden.

Wir fordern eine rasche Entscheidung, denn die Einhaltung von Menschenrechten und der Schutz vor der Pandemie muss für alle Menschen in Europa gelten.

Weitere Infos und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es unter

https://mission-lifeline.de/start-und-landeerlaubnis/

#savethem #leavenoonebehind

Foto (CC) Jörn Neumann / Flickr

„Unsere Herzen schlagen zusammen“

Yüksel Birinci, Mitglied des Vorstands der Islamischen Gemeinde, deren Moschee erst kürzlich wegen einer Bombendrohung geräumt werden musste, sprach auf unserer Kundgebung am Do. 5. März 2020 auf dem Grendplatz:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
im Namen der Islamischen Gemeinde zu Essen-Steele bedanke ich mich herzlich für eure Einladung, wir nehmen gerne an dieser wichtigen Veranstaltung teil.
Am 12. Februar 2020 bekamen wir eine E-Mail, unter anderem mit dem Zitat „in Ihrer Moschee wird es heute heftig krachen!“. Wir waren geschockt und leiteten alle Sicherungsmaßnahmen ein. Im Nachgang waren wir aber auch verärgert. Warum? Wir, die seit 60 Jahren in Steele leben, Generationen die hier geboren sind, zur Schule gehen, ihre Ausbildung oder ihr Studium hier absolvieren und nun Teil dieser Gesellschaft sind und Ihrem positiven Beitrag zum friedlichen Zusammenleben beizutragen. Seit längerer Zeit beobachten wir in Essen-Steele, aber auch in ganz Deutschland immer häufiger eine rechtsradikaler Gesinnung, die mit Rassismus und Islamophobie einhergeht. Wir wissen aber auch aus vielen Aktivitäten und Solidaritätsbekundungen der Steeler Bürgerschaft, dass dies den Bürgerinnen und Bürgern in Steele eine enorme Sorge bereitet.
Die Politik, Sicherheitsbehörden und die Zivilgesellschaft mit sehr aktiven Netzwerken sind nun mehr denn je aufgefordert, ihre Stimme zu erheben und Flagge zu zeigen. Die Bedrohungsspirale hat unser Steele weltweit sehr negative Schlagzeilen beschert. Wir sind alle aufgefordert, das noch gute Image und die lebendige Vielfalt in den Focus zu nehmen, damit Steele von diesem weltweit unverdienten Platz weg kommt.
Meine Damen und Herren, für uns, samt unserer Familien, gilt Deutschland als unsere neue Heimat. Für unsere Kinder und meine Generation, die hier geboren wurden, ist Deutschland die Heimat überhaupt. Unsere Eltern sind vor 60 Jahren in dieses Land gekommen, und haben es mit Ihnen wieder aufgebaut, es zu einem blühenden und weltwirtschaftlich starken Land werden lassen. Selbst auf diesem Platz, auf dem wir und alle anderen ihre Kundgebungen machen und aufmarschieren, arbeiteten in den 1960er und 70er Jahren gern unsere Väter und Großväter mit und trugen zur Verschönerung unserer City bei. Viele von ihnen leben nicht mehr, wir sind an ihre Stelle getreten, um es wirtschaftlich, sozial und demokratisch weiterhin auf einer starken und weltweit führenden Stelle zu erhalten.
Mit Ihnen gemeinsam wollen wir weiter Schulter an Schulter für die Vielfalt in unserer Gesellschaft arbeiten. Aus dieser Stärke heraus gibt Deutschland allen Menschen hier einen Raum, damit jeder seine Kultur, Religion und Sprache leben kann und sich für die Menschenrechte, Toleranz, Integration und den Frieden einzusetzen. Das deutsche Grundgesetz, das für alle Menschen in diesem Land gilt, ist das Fundament dafür. Auf diesem Fundament wollen wir uns unermüdlich weiterhin einsetzen für eine intakte Nachbarschaft, die vom Respekt und Wertschätzung umgeben ist und für ein friedliches Zusammenleben in dieser Gesellschaft. Diesen Geist der Zusammengehörigkeit wollen wir unseren nächsten Generationen weitergeben.
Wie Sie, meine Damen und Herren hier heute bewiesen haben, dass wir zusammenhalten und füreinander da sind, wollen wir auch Ihnen versichern, dass unsere Herzen zusammen schlagen und wir Rassismus, Terrorismus, Religionsfeindlichkeit und Gewalt jeglicher Art keinen Platz in unserem gemeinsamen Leben bieten. Von dieser Stelle senden wir unsere Anteilnahme an alle, die bis heute dem Rassismus und der Gewalt jeglicher Art zum Opfer gefallen sind.
Wir sind gemeinsam Steele, Essen, NRW, Deutschland und die Welt!“

Konzert Esther Bejarano

Esther Bejarano trat heute(7. März 2020) in der Evangelischen Friedenskirche in Steele auf. Das Konzert war bewegend in jeder Hinsicht. Die 95jährige begann mit einer Lesung aus ihrer Biographie. Sie beschrieb, wie sie als junge Frau in Auschwitz nur überleben konnte, in dem sie im Mädchenorchester des Konzentrationslagers musizierte. Während sie von ihrer späteren Flucht und dem Moment der Befreiung berichtete, war es still in der mit über 400 Menschen voll besetzten Kirche. Als die Band Microphone Mafia dazu kommt, beginnt der musikalische Teil des Nachmittags. Sie kombinieren alte deutsche und jiddische Lieder mit Rap und Hiphop, ergänzen sie mit aktuellen Protestsongs und bauen eine Brücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Der Rapper Kutlu Yurtseven erzählt von seiner Geschichte als Sohn von Gastarbeitern und wie sie die rassistischen Progrome der 1990er Jahre politisierte. Ihre Botschaft ist deutlich: Nazis sind nicht nur ein historisches Phänomen, sondern eine aktuelle Gefahr in Deutschland. Wir dürfen nicht Schweigen. Wir waren hingerissen, sangen mit und spendeten stehenden Applaus. Esther Bejarano hat uns heute tief bewegt.

Kaspar – eine sprachliche Auseinandersetzung

„Wir machen mal Ernst“ ist der Titel einer Theaterreihe, in der es in unregelmässigen Abständen um aktuelle, brisante Themen geht. Als Auftakt wird in Peter Handkes ‚Kaspar‘, einem Stück über Sprecherziehung und Sprechfolter, die rhetorischen und performativen Strategien der neue Rechten, die zunehmend die Rolle der verfolgten Revolutionäre für sich beanspruchen und so geschickt den autoritären Charakter ihrer Bewegung verschleiern.Im Rahmen ihres Studiums proben und präsentieren junge Regie Stundent*Innen und Schauspielschüler*Innen der Folkwang Universität ihre Arbeit im Theater Freudenhaus.

Mittwoch, 11. März 2020, 20:00 Uhr

Theater Freudenhaus im Kulturzentrum Grend, Westfalenstr. 311, 45276 Essen

Regie: Carlotta Salamon

Darsteller*innen: Amelie Willberg, Lea Taake, Simon Gierlich, Shehab Fatoum

In Zusammenarbeit mit dem Theater Freudenhaus

Esther Bejarano kommt nach Steele

Esther Bejarano - Foto Jochen Vogler

Esther Bejarano ist eine Überlebende des KZ Auschwitz-Birkenau. Die 95jährige Musikerin und Autorin singt, rapt und erzählt von ihren Erinnerungen am

Sonntag, 8. März 2020 um 15:00 Uhr in der ev. Friedenskirche, Kaiser-Wilhelm-Str. 37, Essen – Steele.

1943 wurde Esther Bejarano als Achtzehnjährige in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Sie überlebte die Hölle, weil es ihr gelang, in das Mädchenorchester von Auschwitz aufgenommen zu werden. Später wurde sie in das Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt, wo sie für Siemens Zwangsarbeit leistete. Ihr gelang die Flucht. Nach dem Kreig wanderte sie nach Palästina aus und kehrte 1960 nach Deutschland zurück. Seit den sieziger Jahren ist sie als Musikerin weltweit unterwegs, mahnt und warnt vor der Wiederkehr rassitischen umd antisemitischen GEdankenguts. Anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz forderte sie öffentlich, den 8. Mai als Tag der Befreiung zum nationalen Feiertag zu erklären.

Es ist uns eine Freude, Esther Bejarano in der Friedenskirche in Steele zu haben. Sie singt gemeinsam mit der Band Microphone Mafia internationale Lieder gegen Krieg und Faschismus .

Das Konzert wird veranstaltet von der Ev. Kirchengemeinde Königssteele und dem Bündnis „Mut machen-Steele bleibt bunt“. Der Eintritt ist frei.

Rückblick Bürgerversammlung

„Ganz Essen schaut heute auf Steele“ sagte Oberbürgermeister Thomas Kufen bei der Eröffnung der Bürgerversammlung, die in die evangelische Friedenskirche verlegt wurde. Mit ca. 400 Personen war die Kirche komplett voll, darunter auch ca. 30 „Steeler Jungs“. Auf dem Podium diskutierten Irene Wollenberg vom Bündnis „Mut machen – Steele bleibt bunt“, Pastor Dr. Andreas Geßmann als Vertreter der Kirchen, Vivianne Dörne von dem Projekt „Quartiersdemokraten“ aus Dortmund, Christian Kromberg, Ordnungsdezernent der Stadt Essen und Léon Finger vom ICS darüber, wie das friedliche Zusammenleben im Stadtteil gestaltet werden kann. Sehr deutlich erklärte Christian Kromberg, dass es sich bei den „Steeler Jungs“ um eine Gruppe handelt, die sich mit Rechtsextremen vernetzen. Er wies auch auf die niedrige Kriminalstatistik hin und betonte, dass Essen eine sehr sichere Stadt ist, in der die Polizei erfolgreich arbeitet. Léon Finger macht sich große Sorgen, dass die Aufmärsche der „Steeler Jungs“ und die Gegenproteste den Stadtteil in Verruf bringen und dem Handel schaden. Vivianne Dörne berichtete von den Erfahrungen in Dortmund-Dorstfeld, wo über Jahre hinweg das Nazi-Problem ignoriert wurde. Erst nachdem sich die rechte Szene verfestigt hatte und es Gewalt und Todesopfer gab, entstand ein lokales Handlungskonzept, bei dem die Dortmunder Politik, Polizei und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten. Pastor Geßmann sagte, dass es den Dialog, aber auch kreative Formen des Protest geben sollte. Irene Wollenberg berichtete von den Erfahrungen mit Bedrohungen und Gewalt im Stadtteil. Sie lud ein, sich an Aktionen des Bündnisses, an den Kundgebungen, Konzerten, Lesungen und Informationsveranstaltungen zu beteiligen.

Oberbürgermeister Thomas Kufen

Nach der Podiumsphase kamen die Bürgerinnen und Bürger zu Wort, sie beteiligten sich rege an der Diskussion. Viele stellten Fragen und äußerten ihre Meinung, auch aus den Reihen der „Steeler Jungs“ gab es mehrere Beiträge. Es ging um persönliche Erfahrungen und Perspektiven, die Frage ob es ein Problem mit Linksextremismus gäbe, ob die Steeler Jungs wirklich rechtsextrem seien und wie sich die Zivilgesellschaft gegen rechts engagieren sollte. Zwischendurch wurde es unruhig, es gab Zwischenrufe und einige verließen die Kirche. Nach zwei Stunden gab es natürlich noch viele offene Fragen, aber auch die Erkenntnis, dass es richtig ist, sich offen und mutig der Diskussion zu stellen.

Ein herzliches Dankeschön an die Mitveranstalter, die evangelische und die katholische Kirchengemeinde, an das Kulturzentrum Grend, den Steeler Ruder-Verein, den Schwimmverein Steele und den Arbeiter-Samariter-Bund, sowie die Unterstützer, den Initiativkreis City Steele sowie die Steeler Bürgerschaft. Herzlichen Dank auch an den Moderator Uwe Loch. Wir werden mit den Veranstaltern gemeinsam überlegen, ob und wie es nach der Bürgerversammlung weiter geht.

Podiumsdiskussion

Bürgerversammlung

Die evangelische Kirchengemeinde Königssteele, die katholische Kirchengemeinde St. Laurentius, das Bündnis „Mut machen-Steele bleibt bunt“, das Kulturzentrum Grend, der Steeler Ruder-Verein e.V., der Schwimmverein Steele 1911 e.V. und der Arbeiter-Samariter-Bund (zukünftig Zentrum 60+) laden ein zur Bürgerversammlung

am Do. 13. Februar 2020
um 19:00 Uhr
in der ev. Friedenskirche, Kaiser-Wilhelm-Str. 37, 45276 Essen.

Wir wollen mit Fachleuten auf dem Podium und den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen. Im Mittelpunkt steht die Frage zum friedlichen Zusammenleben im Stadtteil und der Umgang mit den „Steeler Jungs“.

Auf dem Podium diskutieren miteinander:

  • Pastor Dr. Andreas Geßmann (Vertreter der Kirchen)
  • Irene Wollenberg (Sprecherin „Steele bleibt bunt“)
  • Christian Kromberg (Ordnungsdezernent Stadt Essen)
  • Vivanne Dörne (Projekt Quartiersdemokraten, Dortmund)
  • Léon Finger (Vorstand Initiativkreis City Steele)

Moderation: Uwe Loch

Der Oberbürgermeister Thomas Kufen wird vor Ort sein und ein Grußwort sprechen.

Der Eintritt ist frei.
Das Publikum ist eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Mit freundlicher Unterstützung der Bezirksvertretung VII, des Initiativkreis City Steele e.V. und der Steeler Bürgerschaft e.V.

Ansprechpartnerin:
Pfarrerin Hanna Mausehund, Tel. 0201/54520490, hanna.mausehund@ekir.de