Staatssekretärin Güler zu Gast

Mit klaren Statements sprach sich die NRW – Staatssekretärin Serap Güler gegen Rechtsextremismus aus, als sie am 11. August 2021 in Essen Steele war. Sie sprach bei der Kundgebung auf dem Grendplatz, dem Ort, an dem sonst die „Steeler Jungs“ aufmarschieren. Anschliessend luden wir sie zum Gespräch in den Biergarten des Kulturzentrums Grend ein. Gemeinsam mit dem Journalisten David Schraven vom Recherchenetzwerk Correktiv sprachen wir darüber, wie wir die Demokratie gegen Angriffe von Rechtsextremisten verteidigen können. David Schraven stellte den Bildband „Menschen – Im Fadenkreuz des rechten Terrors“ vor, in dem Fotos und Statements von Leuten gezeigt werden, die auf den Todeslisten von Nazis stehen. Serap Güler steht ebenfalls auf einer solchen Liste. Sie warnte davor, rechte Netzwerke zu verharmlosen. Güler machte deutlich, dass der Staat, seine Organe und die Zivilgesellschaft wachsam sein müssen. Auch das Publikum beteiligte sich mit Fragen und Statements an der Diskussion. Es kamen z.B. Fragen auf, wie wirksam die Polizei gegen Rechtsextreme wie die Steeler Bürgerwehr vorgehen würde. Gerade Gruppen, die nicht so deutlich als Nazis erkennbar sind, werden oft nicht so ernst genommen. „Es gibt auch rechte Tendenzen in Gruppen, die man nicht unbedingt dem rechten Spektrum zuordnen würde, die für eine Demokratie gefährlich sind.“ sagte Serap Güler.

Vielen Dank an alle, die sich an der Kundgebung und der Diskussion beteiligt haben. Danke an die Brassband Schwarz/Rot Atemgold, an David Schraven und an das Team der Kneipe im Grend.

Fotos: Lutz Niemann

Kundgebung und Gespräch mit Serap Güler

Demokratisches Leben verteidigen  

Kundgebung am Mittwoch, 11.8.2021, 18 Uhr Grendplatz, Essen-Steele

mit Serap Güler, Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein Westfalen,

Es spielt die Band Schwarz Rot Atemgold

19:00 Uhr: Diskussion mit Serap Güler im Biergarten Grend (Westfalenstr. 311, Essen Steele)

Wir sprechen mit Serap Güler über den Zusammenhalt der Zivilgesellschaft zur Verteidigung der Demokratie, der Menschenwürde und demokratischer Grundrechte gegen Angriffe von rechts. Keiner kann mehr überhören, wenn die AfD ihre Hetzparolen gegen Zugewanderte, gegen Andersdenkende in die Lande grölt. Und keiner kann mehr wegsehen, wenn Menschen auf offener Straße von der selbsternannten Bürgerwehr der sogenannten „Steeler Jungs“ bedroht werden. Wir stehen dafür, das demokratische Leben in unserem Stadtteil zu verteidigen. Wir stehen für Demokratie, für Meinungsfreiheit, für Vielfalt, Toleranz und einen fairen und gewaltfreien Umgang miteinander.

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Kundgebung am Do. 22. Juli 2021

Steele darf kein Nazi-Kiez werden

Kundgebung am 22.7.2021 um 18 Uhr auf dem Grendplatz in Essen-Steele

Die „Steeler Jungs“ marschieren wieder durch Essen-Steele, Zuletzt so geschehen am letzten Donnerstag. Etwa 30 Männer, zu einem großen Teil uniform mit schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift „First Class Crew Steeler Jungs“ bekleidet, machten erneut den Stadtteil unsicher. Die Polizei, angeblich vor Ort, zeigte sich nicht. Wie gefährlich die Gruppierung ist, stellte sie gleich zwei Mal eindrucksvoll unter Beweis: Auf dem Kaiser Otto Platz standen ein Mitglied des Rates der Stadt Essen eine Mitarbeiterin des Kulturzentrums Grend, die Sprecherin des Bündnisses „Mut machen – Steele bleibt bunt“, sowie eine weitere Person und unterhielten sich. Gezielt liefen die Steeler Jungs auf die Gruppe zu und umringten sie. Die Situation hatte eindeutig bedrohlichen Charakter. Die nach eigenen Angaben anwesende Polizei schritt nicht ein. Einige Straßen weiter saßen Mitglieder des Bündnisses „Essen stellt sich quer“ auf einer Bank an der Bochumer Straße, als die „Steeler Jungs“ grölend vorbeizogen. Ein Mitglied der „Steeler Jungs“ ging auf die Gruppe zu, näherte sein Gesicht bis auf wenige Zentimeter zu einer der dort sitzenden Personen, bedrohte sie, beschimpfte die Anwesenden unflätig und beleidigte sie sexistisch. Auch diesen Vorfall will die angeblich anwesende Polizei nicht bemerkt haben.

Uns reicht es! Wir lassen nicht zu, dass die vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppierung der „Steeler Jungs“ den Stadtteil für sich reklamiert und ein Klima der Angst und Einschüchterung verbreitet.

Wir rufen zusammen mit dem Bündnis „Essen stellt sich quer“ auf zur Kundgebung am Donnerstag, den 22 Juli 18:00 Uhr auf dem Grendplatz, Essen-Steele.

Es spricht u.a. der Landtagsabgeordnete Frank Müller (SPD).

Razzia in der Steeler Kneipe „Sportsbar 300“

Am Montag, 12. Juli 2021 gab Bundesinnenminister Seehofer bekannt, dass die Rockergruppe „Bandidos West Central“ verboten wird. „Zweck und Tätigkeit des Vereins laufen den Strafgesetz zuwider“ (dazu: SPIEGEL). Der Gruppe werden wiederholt schwere Körperverletzungs- und (versuchte) Tötungsdelikte vorgeworfen. In diesem Zusammenhang gab es verschiedene Razzien in Gebäuden der Bandidos in Nordrhein-Westfalen. (Video Tagesschau) Mit dabei war auch in der Sportsbar 300, der Treffpunkt der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften „Steeler Jungs“. Möglicherweise gibt es mehr Überschneidungen zwischen den verbotenen „Bandidos“ und der Essener Bürgerwehr. (dazu: NRZ Artikel). Zu den Bandidos sagte Bundesinnenminister Seehofer: „Wer unsere Gesetze mit Füßen tritt, verschwindet nicht vom Radar unserer Sicherheitsbehörden, nur weil er seine Selbstauflösung erklärt. Das bislang größte Verbot einer kriminellen Rockergruppe zeigt, dass sich der Rechtsstaat nicht an der Nase herum führen lässt.“ (dazu: BMI). Bei der Durchsuchung von zwei Vereinsgebäuden der Bandidos in Essen wurde aber offenbar ein drittes Vereinsheim im Stadtteil Freisenbruch übersehen. (dazu: ESSQ)

Danke Esther

Esther Bejarano ist am 10. Juli 2021 im Alter von 96 Jahren gestorben und wir erinnern uns:

8. März 2020, Corona breitet sich aus, der Lockdown wirft seine Schatten voraus, aber das Konzert findet statt: mit Esther Bejarano und der Band Microphone Mafia in der Friedenskirche in Essen-Steele. Die Kirche ist brechend voll und da sitzt sie, 95jährig, klein körperlich zerbrechlich, aber ausgestattet mit einer Riesenkraft. Sie sitzt, gehüllt in eine Wolldecke vor dem Altar und lässt uns teilhaben an ihren Erinnerungen: Wie sie von den Nazis nach Auschwitz verschleppt wurde, wie sie ihr Leben rettete, indem sie im Mädchenorchester von Auschwitz Akkordeon spielte, ihre Leidensstationen, Auschwitz, Ravensbrück und dann die Befreiung!

Ihre Stimme ist eindringlich, ihre Botschaft ebenfalls: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg.

In der Kirche ist es mucksmäuschenstill. Und dann rapt sie, stehend mit erhobenen Armen rockt sie die Kirche, singt  das Lied der jüdischen Partisanen „ Sog nit kejnmol, as du gejsst dem leztn Weg“ und „Bella Ciao“ und die ganze Kirche singt mit.

Es sind unvergessene Momente, Momente großer Bewegung und großen Glücks darüber, diese Frau erleben zu dürfen.

Esther Bejarano lebt nicht mehr, Ihr Vermächtnis aber lebt: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg.  Für eine Welt des Friedens und der Völkerverständigung.

Danke, Esther!

Essener Allianz: Am 1. Mai nicht wegschauen!

Die Essener Allianz für Weltoffenheit sieht in den geplanten Demonstrationen der Partei DIE RECHTE und der NPD am 1. Mai 2021 eine bewusste Provokation – insbesondere und ganz bewusst gegenüber den Gewerkschaften, die diesen Tag als „Tag der Arbeit“ begehen, sowie gegenüber einer offenen und freien Gesellschaft allgemein.

Die beabsichtigte Durchführung von Demonstrationen durch die Partei DIE RECHTE und der NPD am „Tag der Arbeit“ zielt darauf ab, die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten zu relativieren. Die Partner der Essener Allianz für Weltoffenheit (u.a. die Kirchen, Moscheevereine, Jüdische Gemeinde, Gewerkschaften und Verbände) weisen diese Provokationen entschieden zurück und rufen die Bürgerinnen und Bürger in der Stadt Essen auf, auch an diesem 1. Mai nicht wegzuschauen oder gleichgültig zu bleiben.

„Setzen sie ein klares Zeichen gegen die Partei DIE RECHTE und die NPD! Gemeinsam stehen wir für eine Stadt der Vielfalt und der Achtung der Würde eines jeden Menschen. Rechtspopulismus und Fremdenfeindlichkeit dürfen nicht über die Zukunft unserer Gesellschaft bestimmen!“

Essener Allianz für Weltoffenheit

Marion Greve, Superintendentin Ev. Kirchenkreis Essen
Jürgen Schmidt, Stadtdechant Kath. Stadtdekanat Essen
Dieter Hillebrand, Vorsitzender DGB Region Mülheim-Essen-Oberhausen

Der kompletten Wortlaut der Erklärung: https://essener-allianz-fuer-weltoffenheit.de/

NPD und „Die Rechte“ in Essen

Änderung des Ortes:

Die NPD und die rechtsextreme Partei “DIE RECHTE” wird auf Essener Stadtgebiet eine Versammlung samt eines Aufzugs veranstalten. Der Versammlungsplatz ist der Essener Westbahnhof.

Unsere Freunde von „Essen stellt sich quer“ organisieren eine Gegenkundgebung um 12:30 Uhr auf dem Parkplatz zwischen den Bahnhof Essen West und der Eissporthalle. Bitte tragt FFP2-Masken und haltet einen Mindestabstand von 1,5m während des gesamten Kundgebungsverlaufs ein. Wir sind mit dabei und unterstützen den Protest gegen die Rechtsextremisten.

Aktuelle Infos gibt es hier:

https://essq.de/

Monitor: Rechte Terrornetzwerke

Die ARD – Sendung „Monitor“ im April 2021 zeigt die Zusammenhänge zwischen Bürgerwehren und Rechtsterrorismus auf. Zwölf Rechtsextremisten wollten offenbar in den „Krieg“ ziehen, um einen Umsturz herbei zu führen: Die Gruppe S. steht aktuell vor Gericht. Doch das Umfeld der Terrorunterstützer war wesentlich größer. Mit dabei: rechtsextreme Bruderschaften wie die „Bruderschaft Deutschland“ und Bürgerwehren wie die „Steeler Jungs“, die als gewaltbereit gelten und weiterhin aktiv sind. Bei den Corona-Protesten suchen Sie neue Verbündete.

Wir trauern um Olaf Eybe

Unser Freund, der Fotograf, Literat und Aktivist der Erinnerungskultur Olaf Eybe ist gestorben. Er organisierte die Ausstellung „Orte der Erinnerung“. Mit seinen Fotos und Texten setzte er sich mit Gedenkstätten der Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander. Zuletzt zeigte er diese in der St. Laurentiuskirche in Steele und bei einer Online – Lesung Ende Januar 2021. Sein Engagement für Völkerverständigung, gegen Rassismus und gegen Antisemitismus und seine freundliche und optimistische Art bleibt uns in Erinnerung. Olaf machte auf einfühlsame und nachdenkliche Weise auf die Vergangenheit aufmerksam, die uns in der Gegenwart mahnt, wachsam zu bleiben.

Nazi Schmiererei in Steele

Pünktlich zum Jahrestag des rassistischen Attentats von Hanau wurde in Steele an der S-Bahn Unterführung Neuholland eine Schmiererei entdeckt mit dem Text „Hanau – Ha – Ha“, der durch Verbindung der beiden Buchstaben H und A ein unvollständiges Hakenkreuz enthielt.

Die Schmiererei ist nicht neu. Sie wurde bereits im vergangenen Jahr an der gleichen Stelle gesehen und beseitigt. Sie zeugt von unvorstellbarem Zynismus, gepaart mit menschenverachtender Verhöhnung der Opfer von Hanau und Verherrlichung von Nazi-Symbolen. Derartige Schmierereien sind nicht neu an der Stelle: „Linke und Grüne töten“, war dort unlängst zu lesen, wobei die Schriften Ähnlichkeiten aufweisen.

Dank des schnellen Einsatzes der Graffiti Künstler, die an der Wand arbeiteten, war die  Schmiererei schnell beseitigt. Dies beseitigt allerdings nicht das Nazi-Problem des Stadtteils. Das Bündnis „Mut machen – Steele bleibt bunt“ sieht das Ansehen des Stadtteils durch derartige menschenverachtende Machwerke beschmutzt.

Die Verhöhnung der Opfer von Hanau, die öffentliche Aufforderung, den politischen Gegner zu töten, sind ein Skandal, der die gesamte Stadt Essen angeht. Dies ist jedoch kein Einzelfall: So wurde in Köln ein Gedenkort an die Opfer von Hanau zerstört, die Folien mit den Namen und Fotos der Opfer abgerissen und in eine Böschung am Rhein geworfen.

Die Politiker werden aufgefordert endlich aufzuwachen und klar und eindeutig Stellung gegen diese Kräfte zu beziehen, anstatt sie mit Dialogangeboten aufzuwerten und politisch salonfähig zu machen.

Als besonders niederträchtig sehen wir in diesem Zusammenhang den heute in den Stadtrat eingebrachten Antrag der AFD an, eine „Graffiti Task Force“ zu bilden mit besonderem Augenmerk auf die Essener Antifa Szene. Das Ablenkungsmanöver von der öffentlichen Verunreinigung durch Nazi Schmierereien ist offenkundig und angesichts der Opfer rassistischer Gewalt einfach nur widerwärtig.

Mehr zu dem Hakenkreuz Schriftzug hatt „Essen stellt sich quer“ recherchiert: