Orte der Erinnerung: Lesung + Bilder

Am Holocaust-Gedenktag las Olaf Eybe am 27. Januar ab 18.00 Uhr Gedichte und Kurztexte rund um die Themenkomplexe Erinnerungskultur und Rechtradikalismus. Im Rahmen seiner Online-Lesung zeigte der Autor und Fotograf Fotos seiner Ausstellung „Orte der Erinnerung“ mit Bildern aus den KZ-Gedenkstätten Auschwitz und Dachau sowie aus Babyn Jar.

Hier ist die Aufzeichnung der Veranstaltung:

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Politischer Salon Essen: Rechtsextremismus

Am Mo. 18. Januar 2021, 20:00 Uhr wird im Politischen Salon Essen über das Thema „Rechtsextremismus – Angriff auf die Demokratie“ diskutiert.

„In den vergangenen Jahren hat im Westen die Zahl opferreicher terroristischer Anschläge durch rechtsextreme Täter deutlich zugenommen. Erkennbar sind neue Formen von Anschlägen, neue Tätertypen, neue Mediennutzungen und neue transnationale Vernetzungen“, so das Friedensgutachten 2020 der großen deutschen Friedensforschungsinstitute. Nach Anschlägen aus dem rechten Spektrum gibt es Aufrufe, wachsam zu sein und Extremismus zu bekämpfen. Doch zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich gegen rechte Gewalt engagieren, fühlen sich oftmals alleine gelassen oder sogar kriminalisiert, während sich vielerorts Bürgerwehren und Verschwörungstheoretiker organisieren und vernetzen. Wir sprechen über gewaltbereiten Extremismus als lokales und als internationales Phänomen und fragen, was wir als Zivilgesellschaft tun können und als Stadtgesellschaft tun sollten, um die Demokratie zu schützen.

Es diskutieren:
– Katja Teich, Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus
– Christian Baumann, Bündnis Essen stellt sich quer
– Dr. Martin Kahl, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik

Moderation: Claudio Gnypek, RIO – Rheinischer Dienst für Internationale Oekumene

Die Veranstaltung wird live via Youtube übertragen, ihr könnt euch am Dialog beteiligen.

Livestream: Mo. 18. Januar 2021, 20:00 Uhr

https://youtu.be/MkLdYrhyTY8

Veranstalter und Förderer:
RIO – Rheinischer Dienst für interntionale Oekumene, Essen stellt sich quer, Mut machen – Steele bleibt bunt, Exile Kulturkoordination, Eine Welt Netz NRW

Gedenken in Steele

Samstag, 7.11.2020 in Steele, ein sonniger Herbsttag wie aus dem Bilderbuch. Vor 82 Jahren brannte hier die Synagoge und wurden Geschäfte und Wohnungen jüdischer Mitbürger von den Nazis verwüstet. Wir erinnern an die Reichspogromnacht am 9. November 1938.

Pünktlich auf den Glockenschlag steigen heute in Steele weiße Luftballons in die Luft. Daran befestigt waren Postkarten mit Bildern der in Steele verlegten Stolpersteine zum Gedenken an die von den Nazis verschleppten und ermordeten Mitbürger. Luftballons gegen das Vergessen.

„Das ist gut, dass Sie das machen“, sagt eine Passantin im Vorübergehen. „Das darf nie vergessen werden“.

Mitglieder der VVN,  von „Essen stellt sich quer“, des Bündnisses „Mut machen – Steele bleibt bunt“ hatten zuvor die Stolpersteine gesäubert und mit Kerzen und Blumen geschmückt.

Tafeln mit Fotos und Texten zu den Menschen, derer mit den Stolpersteinen gedacht wird, stehen vor den Haustüren. Sie sollen die Erinnerung wach halten und uns mahnen: Nie wieder.

Die Ballons schweben in den leuchtenden Herbsthimmel. Wo immer sie herabgehen, werden die Menschen, die sie finden, die die an dem Ballon befestigte Postkarte lesen, diese Mahnung finden:

Nie wieder!

Fäuste, Fahnen, Fankulturen

Gespräch mit Richard Gebhardt (Journalist und Autor) und Patrick Arnold (Landesarbeitsgemeinschaft Fanprojekte in NRW) am Do. 8. Oktober 2020 um 19:30 Uhr im Grend, Westfalenstr. 311, 45276 Essen. Anmeldung erforderlich unter:

bunte-steele@grend.de

Der gewaltbereite und rechtsaffine Teil der Hooligan-Szene beschäftigt nicht nur die Sportvereine und diverse Fan-Projekte in den Vereinen, sondern – in Gestalt der Steeler Jungs – auch die Bürgerinnen und Bürger von Steele. Der Sportjournalist und Fußballliebhaber Richard Gebhardt hat über die Hooligan – Szene ein Buch geschrieben, das er uns vorstellt. Es gibt viele Fragen: Wie ist es möglich, dass aus Fußballfans gewaltbereite Hooligans werden? Welche Mechanismen entfalten da ihre Wirksamkeit? Wie kommt die Affinität zu rechtsextremem Gedankengut zustande? Eine seiner Thesen ist, dass die Hooligans die verdrängte Seite des Fußballs verkörpern. Fußball nicht als elegante Ballartistik, als strategisch und taktisch ausgeklügeler „Rasenschach“, sondern als archaischer Kampf, in dem die Devise lautet: “Sieg oder Untergang“ und in dem es dann auch in ZweikämpfeMann gegen Mann geht.Ein weiteres Merkmal ist die ausgeprägte Gruppenmentalität, das „Wir-Gefühl“ der Zugehörigkeit das die jeweilige Gruppe vermittelt, und das einhergeht mit der strikten Ablehnung anderer Gruppen, und damit verbunden auch anderer Lebensentwürfe. Hinzu kommt ein ausgeprägter Männlichkeitskult, gepaart mit Homophobie.Was dies alles mit der Leidenschaft für Fußball zu tun hat und wie man diese Leidenschaft auf andere Weise leben kann, wollen wir mit dem Autor diskutieren. „Wir schwörn auf uns’re Farben und machen alles nieder“ gegen „You’ll never walk alone“.

Video der Diskussion mit den Oberbürgermeister – Kandidaten

Wie kann das demokratische Leben in Steele verteidigt werden, wenn eine rechtsextreme Bürgerwehr den Stadtteil unsicher macht? Darüber diskutierten vier Oberbürgermeister – Kandidaten am 18. August 2020 im Saal des Steeler Stadtgartens. Alle Kandidaten waren sich einig, dass der Rechtsextremismus eine Gefahr darstellt. Doch in der Frage, was die Politik, die Polizei und die Zivilgesellschaft dagegen tun sollte, gab es unterschiedliche Meinungen. So verwies Oberbürgermeister Kufen (CDU) darauf, dass zur Zeit das Projekt „Demokratie und Vielfalt“ in Steele läuft. Oliver Kern (SPD) mahnte, dass die Arbeit gegen Rechts nicht nur in kurzfristigen Projekten angelegt sein darf, sondern langfristig finanziert werden muss. Mehrdad Mostofizadeh (Grüne) betonte, dass die Schulen und Bildungseinrichtungen gefragt sind, um eine demokratische Haltung zu vermitteln. Daniel Kerekes (Die Linke) machte deutlich, dass auch die Polizei eine wichtige Rolle im Kampf gegen Rechtsextremismus spielen sollte.

„Wir sollten lieber mit guten Antirassismusprojekten glänzen und nicht mit den Steeler Jungs“ (Thomas Kufen)

„Für mich ist eine weltoffene, tolerante und freiheitliche Demokratie nur durch Haltung zu erhalten.“ (Oliver Kern)

„Ich glaube, man muss sich hier in Steele sehr klar aufstellen. Das was hier abgeht ist klar Rassismus und Angstmache.“ (Mehrdad Mostofizadeh)

„Ich würde mir wünschen, dass auch CDU Mitglieder auf die Demonstrationen von ‚Steele bleibt bunt‘ kommen. Es geht hier darum, dass Demokratinnen und Demokraten zusammen stehen.“ (Daniel Kerekes)

Auch das Publikum beteiligte sich an der Diskussion mit Fragen und Statements. Einig waren sich alle darin, dass es sich lohnt, für die Vielfalt und Weltoffenheit in Essen zu engagieren, auch über den 13. September hinaus.

Herzlichen Dank an Dirk Peter Fuchs, der die Veranstaltung als Video aufgezeichnet hat.

Diskussion mit Oberbürgermeister – Kandidaten

Erste Eindrücke unserer Veranstaltung mit den Oberbürgermeister – Kandidaten zum Thema Demokratisches Leben verteidigen. Es war eine sehr angeregte Diskussion mit Daniel Kerekes, Oliver Kern, Thomas Kufen, Mehrdad Mostofizadeh und einem engagiertem Publikum. Ein herzliches Dankeschön an das Grend, an den Stadtgarten Steele, an alle Helferinnen und Helfer und an das Publikum!

Eine Videoaufzeichnung des Abends werden wir an dieser Stelle noch veröffentlichen.

WDR – Dokumentation: Wer stoppt die rechte Bürgerwehr?

Ein 30 Minuten – Film, der die Ereignisse der letzten zwei Jahre gut zusammenfasst. Die Journalisten sprechen mit Steeler Bürgerinnen und Bürgern, dem Essener Polizeipräsidenten, der evangelischen Pfarrerin, dem Vorsitzenden des ICS und einem Rechtsextremismusforscher. Sie versuchen auch immer wieder mit den Steeler Jungs zu reden.
In Essen-Steele gibt es eine rechte Gruppierung, die schon seit 2018 regelmäßig durch das Stadtviertel marschiert, die Steeler Jungs. Angeblich, um für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Tatsächlich machen sie vielen Bürger*innen Angst. Die Polizei stellt fest, dass es sich hier „vor allem in einem Kern um eine rechtsextreme Gruppierung handelt“. Mit Corona stoppten die Aufmärsche der Steeler Jungs zunächst. Jetzt versammeln sie sich wieder, angeblich um das Grundgesetz zu schützen. Und im Stadtviertel gibt es erneut Unruhe und Sorgen.

Rat der Stadt Essen: Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit

Achan Malonda in Steele Juli 2019

Heute, am 27.05.2020 verabschiedete der Rat der Stadt Essen eine Resolution für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit:

„Die Stadt Essen ist eine weltoffene und tolerante Stadt. Menschen vieler Nationalitäten, Kulturen und Religionen sind hier zu Hause. Gemeinsam treten wir ein für eine Stadtgesellschaft, die von Humanität, Toleranz, Demokratie, kultureller Vielfalt und Solidarität getragen ist. (…)

Das Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft, Religionen und Kulturen prägt das Gesicht unserer Stadt. Es macht unsere Stadt lebendig. Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus lehnen wir entschieden ab. Für sie gibt es kein Verständnis und keine Rechtfertigung. Extremen Haltungen und Handlungen wollen wir entschlossen entgegentreten und sie bekämpfen.  (…)

Wir treten entschieden dafür ein, dass Menschen in ihrer Würde nicht herabgesetzt werden. Wir treten entschieden dafür ein, dass menschenverachtende Ideologien nicht salonfähig werden. (…)

Wir unterstützen Bündnisse und Initiativen, die Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus bekämpfen und Radikalisierung verhindern. Hierfür braucht es gemeinsame Strategien und Anstrengungen. Wir schaffen Anlaufstellen, informieren, beraten, bündeln und vernetzen kommunale Aktivtäten. Wir initiieren und fördern Präventionsarbeit. Wir stellen uns der Debatte über die Verantwortung eines jeden Einzelnen für die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ (aus: Vorlage 0399/2020/1)

Die gesamte Resolution gibt es hier (pdf).

Darüber hinaus beschloss der Rat, ein Handlungskonzept „Demokratie und Vielfalt“ zu erarbeiten:

„Die Entwicklung der letzten Monate im Stadtteil Essen-Steele durch sogenannte Spaziergänge der „Steeler Jungs“ und öffentliches Auftreten der rechten Szene im Kern des Stadtteils, sowie unterschiedliche Formate der Gegenbewegung haben zu großer medialer Aufmerksamkeit und Verunsicherung im Stadtteil geführt. Der Stadtteil ist somit von stetiger Präsenz um das Thema Extremismus betroffen. Gleichzeitig existiert eine Vielfalt an Engagement seitens der Kirchengemeinden, bürgerschaftlichen Initiativen und vorhandenen Angeboten durch Vereine, Verbände und Verwaltung. Mit dem Ratsbeschluss vom 27. November 2019 wurden explizit die Fördermittel in Höhe von 40.000 € für den Dialog in Essen Steele und für Aktivitäten gegen Extremismus zur Verfügung gestellt. Diese Mittel gilt es nun zielgerichtet einzusetzen.“ (Vorlage 0422 / 2020)

Wir sind sehr gespannt, wie es nun in Steele weitergeht.

Rechte Corona-Demo war überschaubar

Am Montag, 18. Mai 2020 fand eine Corona – Demonstration der „Steeler Jungs“ auf dem Dreiringplatz statt. Der Versuch, an die Proteste der Verschwörungstheoretiker mit Slogans wie „gegen Bargeldabschaffung“ und „gegen Zwangsimpfung“ anzuknüpfen war offenbar nicht erfolgreich. Auf dem Dreiringplatz versammelten sich die gleichen 50 – 80 Männer, die sonst auch vor der Corona Krise zu den Aufmärschen der rechtsextremen Bürgerwehr kamen. Es sah so aus, als seien mehr bunte Plakate in den Straßen zu sehen als protestierende Wutbürger.
Steele bleibt #buntundgesund

Corona – Proteste in Steele?

Die rechtsextreme Bürgerwehr „Steeler Jungs“ plant am kommenden Montag, 18. Mai 2020 wieder eine Demonstration in Essen Steele. Sie wollen ihren Aufmarsch unter das Motto „Schütze dein Grundgesetz“ stellen und wenden sich gegen „Verbote und Einschränkungen“, konkret „gegen Zwangsimpfung“ und „gegen Bargeldabschaffung“. Damit versuchen sie, an die Corona – Demos anzuknüpfen, die seit einigen Wochen bundesweit stattfinden. Welche kruden Verschwörungsphantasien sie mit Zwangsimpfungen und Bargeldabschaffungen verbinden, bleibt eine offene Frage.

Dass eine Gruppe, die mit prominenten Neonazis unterwegs sind und deren Mitglieder mit Hitlergrüßen und Hakenkreuzen auffielen, ausgerechnet jetzt das Grundgesetz schützen wollen, erstaunt uns. Wir halten es für gefährlich, wenn die vom Verfassungsschutz beobachteten „Steeler Jungs“ jetzt an die Verunsicherungen und Ängste der Bürgerinnen und Bürger anknüpfen wollen. Wir haben es in Deutschland gerade geschafft, mit vielen Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben die Ausbreitung der Corona Pandemie einzudämmen. Wir halten es für unverantwortlich, wenn ausgerechnet jetzt, wo erste Lockerungen in Kraft treten, eine rechtsextreme Gruppierung mit Verschwörungsphantasien und Versammlungen eine Atmosphäre der Angst und Aggression im Stadtteil schürt. Wir stehen für ein verantwortungsvolles Miteinander, in dem auch gefährdete Menschen und Angehörige von Risikogruppen gut leben.

Wir wollen, dass Stelle bunt und gesund bleibt.