– Ignatius Fortuna

(geb. etwa 1725, gest. 1789 in Steele)

Persönlich habe ich Steele in allerbester Erinnerung. Ich kam als Knabe in die dörfliche Ortschaft, mitgebracht von einem Kaufmann aus meinem Heimatland Suriname in Südamerika. Er hatte mich dort auf einem Sklavenmarkt gekauft. Ich war acht oder neun Jahre alt. Die Überfahrt von meiner südamerikanischen Heimat nach Europa war gefahrvoll und beschwerlich. Ähnlich geht es heute wohl vielen Geflüchteten.

In Europa wurde ich in Steele der Fürstäbtissin Franziska Christine als „Kammermohr“ geschenkt. Das war zu dieser Zeit nicht unüblich. Man schmückte sich an europäischen Höfen gern mit dunkelhäutigen Menschen wie mir als Schauobjekt.

Im Gegensatz zu vielen meiner Leidensgenossen ging es mir jedoch am Hofe der Fürstäbtissin gut. Ich muss sagen, dass ich dort wirklich eine Heimstatt erhielt. Meine dunkle Hautfarbe störte niemanden. Man lehrte mich, Violoncello und Trompete zu spielen, ich erlernte die Reitkunst und erhielt ein eigenes beheiztes Zimmer neben den Gemächern der Fürstäbtissin. Das war beileibe keine Selbstverständlichkeit. Bewohnten doch die meisten Bediensteten oft zu mehreren unbeheizte Kammern unter dem Dach.

Nicht selten suchte die Fürstäbtissin meinen Rat. Ich erhielt Geschenke von ihr, so eine goldene Uhr und einen Pelzmantel, der mir in der für mich ungewohnten Kälte gute Dienste tat.

Ich erfreute mich an guter Kleidung und reichlichem Essen und so kann ich über das Örtchen Steele nur das Freundlichste sagen und hoffen, dass auch die Steeler Bürgerinnen und Bürger mich in guter Erinnerung haben und auch heute mit Ankömmlingen aus der Fremde so gut umgehen wie mit mir.