Wir trauern um Olaf Eybe

Unser Freund, der Fotograf, Literat und Aktivist der Erinnerungskultur Olaf Eybe ist gestorben. Er organisierte die Ausstellung „Orte der Erinnerung“. Mit seinen Fotos und Texten setzte er sich mit Gedenkstätten der Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander. Zuletzt zeigte er diese in der St. Laurentiuskirche in Steele und bei einer Online – Lesung Ende Januar 2021. Sein Engagement für Völkerverständigung, gegen Rassismus und gegen Antisemitismus und seine freundliche und optimistische Art bleibt uns in Erinnerung. Olaf machte auf einfühlsame und nachdenkliche Weise auf die Vergangenheit aufmerksam, die uns in der Gegenwart mahnt, wachsam zu bleiben.

Monitor – Beitrag über Bruderschaften und Bürgerwehren

Die ARD – Sendung Monitor vom 8.04.2021 zeigt, wie Bürgerwehren wie die „Steeler Jungs“ oder die „Bruderschaft Deutschland“ auch Keimzellen für Rechtsterrorismus sein können. Sie gelten als gewaltbereit und bereiten sich auf einen angeblich bevorstehenden Umsurz vor. Mit Panikmache und Verschwörungstheorien versuchen sie unter den Corona – Protesten neue Verbündete zu finden.

Hier ist der Monitor – Beitrag:

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/rechtsterrorismus-100.html

Nazi Schmiererei in Steele

Pünktlich zum Jahrestag des rassistischen Attentats von Hanau wurde in Steele an der S-Bahn Unterführung Neuholland eine Schmiererei entdeckt mit dem Text „Hanau – Ha – Ha“, der durch Verbindung der beiden Buchstaben H und A ein unvollständiges Hakenkreuz enthielt.

Die Schmiererei ist nicht neu. Sie wurde bereits im vergangenen Jahr an der gleichen Stelle gesehen und beseitigt. Sie zeugt von unvorstellbarem Zynismus, gepaart mit menschenverachtender Verhöhnung der Opfer von Hanau und Verherrlichung von Nazi-Symbolen. Derartige Schmierereien sind nicht neu an der Stelle: „Linke und Grüne töten“, war dort unlängst zu lesen, wobei die Schriften Ähnlichkeiten aufweisen.

Dank des schnellen Einsatzes der Graffiti Künstler, die an der Wand arbeiteten, war die  Schmiererei schnell beseitigt. Dies beseitigt allerdings nicht das Nazi-Problem des Stadtteils. Das Bündnis „Mut machen – Steele bleibt bunt“ sieht das Ansehen des Stadtteils durch derartige menschenverachtende Machwerke beschmutzt.

Die Verhöhnung der Opfer von Hanau, die öffentliche Aufforderung, den politischen Gegner zu töten, sind ein Skandal, der die gesamte Stadt Essen angeht. Dies ist jedoch kein Einzelfall: So wurde in Köln ein Gedenkort an die Opfer von Hanau zerstört, die Folien mit den Namen und Fotos der Opfer abgerissen und in eine Böschung am Rhein geworfen.

Die Politiker werden aufgefordert endlich aufzuwachen und klar und eindeutig Stellung gegen diese Kräfte zu beziehen, anstatt sie mit Dialogangeboten aufzuwerten und politisch salonfähig zu machen.

Als besonders niederträchtig sehen wir in diesem Zusammenhang den heute in den Stadtrat eingebrachten Antrag der AFD an, eine „Graffiti Task Force“ zu bilden mit besonderem Augenmerk auf die Essener Antifa Szene. Das Ablenkungsmanöver von der öffentlichen Verunreinigung durch Nazi Schmierereien ist offenkundig und angesichts der Opfer rassistischer Gewalt einfach nur widerwärtig.

Mehr zu dem Hakenkreuz Schriftzug hatt „Essen stellt sich quer“ recherchiert:

Orte der Erinnerung: Lesung + Bilder

Am Holocaust-Gedenktag las Olaf Eybe am 27. Januar ab 18.00 Uhr Gedichte und Kurztexte rund um die Themenkomplexe Erinnerungskultur und Rechtradikalismus. Im Rahmen seiner Online-Lesung zeigte der Autor und Fotograf Fotos seiner Ausstellung „Orte der Erinnerung“ mit Bildern aus den KZ-Gedenkstätten Auschwitz und Dachau sowie aus Babyn Jar.

Hier ist die Aufzeichnung der Veranstaltung:

„Orte der Erinnerung: Lesung + Bilder“ weiterlesen

27.1.2021 Veranstaltung auf dem Willy Brandt Platz

Am 27. Januar jährt sich zum 76. Mal der Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. Der Tag ist seit 1996 bundesweiter Gedenktag an die Opfer des Holocaust. Im Jahr 2005  wurde er von den Vereinten Nationen als Internationaler Gedenktag eingeführt. Das Datum ist nach wie vor aktuell  mit seiner Mahnung: „Nie wieder Faschismus“ und „Wehret den Anfängen“.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes ( VVN) gedenkt an diesem Tag mit einer eindrucksvollen Installation der Opfer des Faschismus.

Die Bilder des Kunstobjekts geben einen Eindruck von der Grausamkeit des Lagerlebens und dem Leiden der Häftlinge. Begleitet wird die Installation von erklärenden Texten und Musik.

Zu der Veranstaltung am 27.1.2021 von 13 Uhr bis 17 Uhr auf dem Willy Brandt Platz in Essen sind Sie herzlich eingeladen.

„27.1.2021 Veranstaltung auf dem Willy Brandt Platz“ weiterlesen

Politischer Salon Essen: Rechtsextremismus

Am Mo. 18. Januar 2021, 20:00 Uhr wird im Politischen Salon Essen über das Thema „Rechtsextremismus – Angriff auf die Demokratie“ diskutiert.

„In den vergangenen Jahren hat im Westen die Zahl opferreicher terroristischer Anschläge durch rechtsextreme Täter deutlich zugenommen. Erkennbar sind neue Formen von Anschlägen, neue Tätertypen, neue Mediennutzungen und neue transnationale Vernetzungen“, so das Friedensgutachten 2020 der großen deutschen Friedensforschungsinstitute. Nach Anschlägen aus dem rechten Spektrum gibt es Aufrufe, wachsam zu sein und Extremismus zu bekämpfen. Doch zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich gegen rechte Gewalt engagieren, fühlen sich oftmals alleine gelassen oder sogar kriminalisiert, während sich vielerorts Bürgerwehren und Verschwörungstheoretiker organisieren und vernetzen. Wir sprechen über gewaltbereiten Extremismus als lokales und als internationales Phänomen und fragen, was wir als Zivilgesellschaft tun können und als Stadtgesellschaft tun sollten, um die Demokratie zu schützen.

Es diskutieren:
– Katja Teich, Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus
– Christian Baumann, Bündnis Essen stellt sich quer
– Dr. Martin Kahl, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik

Moderation: Claudio Gnypek, RIO – Rheinischer Dienst für Internationale Oekumene

Die Veranstaltung wird live via Youtube übertragen, ihr könnt euch am Dialog beteiligen.

Livestream: Mo. 18. Januar 2021, 20:00 Uhr

https://youtu.be/MkLdYrhyTY8

Veranstalter und Förderer:
RIO – Rheinischer Dienst für interntionale Oekumene, Essen stellt sich quer, Mut machen – Steele bleibt bunt, Exile Kulturkoordination, Eine Welt Netz NRW

Impfen

Alle reden vom Impfen – wir auch

Wir lassen uns gegen Corona impfen – und impfen selbst

Gegen das Virus des Rassismus, des Hasses und der Ausgrenzung

Unser Impfstoff ist Solidarität – die Zärtlichkeit der Völker.

In diesem Sinne wünschen wir ein buntes und gesundes Jahr 2021!

Bunte Weihnachtsgrüße

Auch die Tannenbäume in Steele wollen bunter werden. Wir haben die Initiative ergriffen und die Bäume mit bunten Grüßen geschmückt.

„Mut machen – Steele bleibt bunt“ wünscht frohe Weihnachten!

Gedenken in Steele

Samstag, 7.11.2020 in Steele, ein sonniger Herbsttag wie aus dem Bilderbuch. Vor 82 Jahren brannte hier die Synagoge und wurden Geschäfte und Wohnungen jüdischer Mitbürger von den Nazis verwüstet. Wir erinnern an die Reichspogromnacht am 9. November 1938.

Pünktlich auf den Glockenschlag steigen heute in Steele weiße Luftballons in die Luft. Daran befestigt waren Postkarten mit Bildern der in Steele verlegten Stolpersteine zum Gedenken an die von den Nazis verschleppten und ermordeten Mitbürger. Luftballons gegen das Vergessen.

„Das ist gut, dass Sie das machen“, sagt eine Passantin im Vorübergehen. „Das darf nie vergessen werden“.

Mitglieder der VVN,  von „Essen stellt sich quer“, des Bündnisses „Mut machen – Steele bleibt bunt“ hatten zuvor die Stolpersteine gesäubert und mit Kerzen und Blumen geschmückt.

Tafeln mit Fotos und Texten zu den Menschen, derer mit den Stolpersteinen gedacht wird, stehen vor den Haustüren. Sie sollen die Erinnerung wach halten und uns mahnen: Nie wieder.

Die Ballons schweben in den leuchtenden Herbsthimmel. Wo immer sie herabgehen, werden die Menschen, die sie finden, die die an dem Ballon befestigte Postkarte lesen, diese Mahnung finden:

Nie wieder!

Nie wieder! Damit Vergangenheit nicht Zukunft wird.

Im Gedenken an die Pogromnacht rufen wir auf, rund um den 9. November Stolpersteine zu putzen und sie mit Blumen und Kerzen zu schmücken.

Setzt ein Zeichen der Erinnerung an die Brand- nacht, an die Pogrome, an die Essener Opfer des Holocaust und des Widerstandes und weist auf Mahn- und Gedenktafeln kreativ hin und tragt euer Wissen über dieses Verbrechen weiter.

In der Pogromnacht wurde die Steeler Synagoge und die jüdische Schule niedergebrannt. Am Holbeckshof nahe des Steeler Bahnhofs wurde 1942 ein Sammellager errichtet, in dem 350 Essener Jüdinnen und Juden vor ihrer Deportation ein- gewiesen wurden. In der Steeler City erinnern Stolpersteine an jüdische Steeler Bürgerinnen und Bürger, die in Vernichtungslagern ermordet wurden.

Samstag, 7. November 2020 in Steele

11.00 Uhr – Gedenken an der Gedenktafel Holbeckshof, Aronweg anschließender individueller Rundgang zu den Stolpersteinen in der Steeler City.

13.00 Uhr – Abschluss mit Steigen lassen von weißen Luftballons.

Montag, 9. November in der Innenstadt

17.00 Uhr – Edmund-Körner-Platz – Kundgebung vor der Alten Synagoge eventuell im Anschluss eine Demonstration.

Aktuelle Informationen unter: www.essen.vvn-bda.de

Bei allen Aktionen gelten die Corona-Schutzmaßnahmen.

Nach der Machtübertragung 1933 an die Faschisten begann die Zerschlagung der Arbeiterparteien, der Gewerkschaften und vieler demokratischer Institutionen. Auch die Vernichtung der Existenz der jüdischen Bevölkerung nahm bereits 1933 seinen Anfang sowie ihre unglaubliche Entrechtung, Entwürdigung, Erniedrigung, ihre totale Ausgrenzung aus dem gesellschaftlichen Leben. Die Pogromnacht am 9. November 1938 wurde zu einer neuen Dimension des faschistischen Terrors gegenüber jüdischen Menschen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November wurden Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüstet, Juden verhaftet, in Konzentrationslager verschleppt und viele ermordet. Es war der grausame Auftakt zur „Endlösung der Judenfrage“, bis hin zu den Massenexekutionen durch Erschießungskommandos der Wehrmacht in den Wäldern um Minsk, in der ukrainischen Schlucht Babij Jar und an vielen anderen Orten. Es war der Auftakt zu der bis heute unvorstellbaren industriellen Vernichtung von Menschen in den Gaskammern von Auschwitz, Majdanek, Sobibor, Treblinka und Belcec.

Die Novemberpogrome waren wesentlicher Teil der Kriegsvorbereitung. Sie dienten der Rassenideologie, mit der die Faschisten Unterjochung, Versklavung und Vernichtung sogenannter minderwertiger Rassen legitimierten. Der entsetzlichste Terror der jüngsten deutschen Geschichte endete mit der Ausrottung von 6 Millionen jüdischen Menschen und einer halben Million Sinti und Roma aus ganz Europa.

Auch in Essen brannten die Synagogen. 2500 Essener jüdische Bürger*innen wurden deportiert, ermordet oder bereits vorher in den Tod getrieben.

Wir erinnern am 9. November und rund um diesen Gedenktag an die Opfer des Holocaust. Wir gedenken aber auch der schrecklichen Ereignisse in der jüngsten Zeit, der Opfer des antisemitischen Anschlags in Halle und dem Angriff auf einen jüdischen Hamburger Studenten. Wir gedenken der rassistischen Attentate des NSU, der Morde in Hanau und des Mordes an dem Politiker Walter Lübcke.

75 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus erleben wir in unserem Land bedrohlich zunehmenden Antisemitismus, Rassismus und wachsende Ausländerfeindlichkeit. Die Erinnerung an die Pogromnacht verbinden wir mit dem Appell, der gefährlichen Rechtsentwicklung und der rechten Gewalt entschlossen entgegenzutreten.

Eine Aktion von:

VVN-BdA Essen, Essen stellt sich quer, Antirassismus-Telefon, Essener Friedensforum, Mut machen – Steele bleibt bunt.